Versehentliche Aufstellungen

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Versehentliche Aufstellungen

„Es ist gar nicht so leicht, nicht aufzustellen...
Überlegungen, bezogen auf Gedanken von M. V. von Kibed und Insa Sparrer

Menschen sind offenbar talentiert zum Wahrnehmen von Systemen, warum nicht immer und überall?
Den meisten Menschen fällt es nach kurzer Eingewöhnung nicht schwer, in einer Aufstellung klare Empfindungen zu haben und dies auch zu artikulieren.
Dies spricht dafür, dass es so eine Art natürlich angelegte Fähigkeit des Menschen ist, die offenbar auch wichtig für das Überleben der Art ist/war (die Natur leistet sich nur wenig „Luxus„).
Viele verwenden Aufstellungselemente im Alltag:
Sprache: „Seine Eltern stärken ihm den Rücken„, „der Platz neben Ihm ist nicht frei„
Gesten: (Hände stehen für Menschen)
Warum finden also nicht laufend Aufstellungsphänomene statt? Denn: wir alle laufen sozusagen mit systemischen Leerstellen herum (z.B. für Ausgeschlossene).
Die Antwort der beiden Autoren; Sie finden statt, aber löschen sich gegenseitig sozusagen. Wenn sie doch in zu bemerkender Weise stattfinden, dann normalerweise in einer destruktiven Form, da es keinen „Leiter„ gibt und sich evtl. auch noch mehrere Systeme überlappen.

Der Ammnesie-Effekt
Das merkwürdige Verhalten von Personen, die in eine zufällige Aufstellung geraten, erschüttern sowohl ihr eigenes Selbstbild auch auch das Weltbild der teilnehmenden Personen. Der Mensch neigt dazu, solche Irritationen, die ein kongruentes „Ich-System„ stören, zu verdrängen bzw. zu „vergessen„.
Aus diesem Grund ist es laut Kibed und Sparrer schwierig, mehr über dies Phänomene herauszubekommen. Es werden Begründungen vorgeschoben wie: „er hatte eine schlechten Tag„ oder „Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist„.

Begünstigung von versehentlichen Aufstellungen
a) Begünstigend wirkt sich aus, wenn es einen Fokus auf eine bestimmte Person gibt, ähnlich wie in einer Aufstellung. Bei Familienfesten, auf denen eine Person z.B. im Mittelpunkt steht, z.B. kann es daher eher zu einem solchen Phänomen kommen (Geburtstag, Familienfeiern). Die anwesenden Nebenpersonen rutschen sozusagen in die System-Positionen der Hauptperson.
b) Gut zu beobachten ist dieses Phänomen auch im Berufsalltag, wo sowieso jede Person eine feste Position einnimmt, also ein Repräsentant einer bestimmten Funktion ist und somit in gewisser Weise austauschbar wie ein Stellvertreter. Dies ist ein ebenfalls begünstigender Faktor. Wenn nun noch ein starker Fokus der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Perspektive hinzukommt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass es zu versehentlichen Aufstellungen kommt.
c) Wenn durch Gestik auf eine bestimmte Stelle im Raum gewiesen wird und sich dort zufällig eine ganz andere Persdon befindet, wird diese manchmal zum Stellvertreter. (Beispiel: Dolmetscher)

Kreative Nutzung von „versehentlichen Aufstellungen".
Von einer Lehrerin wird berichtet, daß sie anlässlich eines Diktates schwächere Schüler an die Plätze der besten Schüler setzte, mit nicht unwesentlichen Erfolgen für die schwächeren Schüler (die guten Schüler hatten keine Leistungseinbuße zu verzeichnen).

Versehentliche Aufstellung als Gegenstück zur Projektion
a) Projektion: Aktiver Vorgang
Person A projeziert auf B ein Verhalten, daß zu einer A bekannten Person passt, welches B aber gar nicht oder nur teilweise zeigt.
a) Versehentliche Aufstellung: Passiver Vorgang
Person B gerät in eine „Leerstelle„ des Systems von A und verhält sich wirklich teilweise so, wie die Person, die er jetzt repräsentiert.

Wahrnehmen von versehentlichen Aufstellungen
Ist man darin trainiert, eigene von Fremdgefühlen zu unterscheiden, kann es gelingen, eine versehentliche Aufstellung als solche zu erkennen. Inwieweit dies allein schon zu einer Lösung führt, ist zweifelhaft. Ich denke aber, dass die Möglichkeiten der Aufstellungsarbeit auch hier greifen (innerlich den Platz ändern, Zurückgeben u.s.w).
Kibed und Sparrer empfehlen eine Rekonstruktion der Situation und eine folgende „Problemaufstellung„

Quellen:
1.) „Ganz im Gegenteil„, Sparrer/Kibed, Carl-Auer-Systeme
Teil VI, Seite 164 ff.
2.) „Verkörperungen„, Baxa/Essen/Kreszmeier, Carl-Auer-Systeme
Aufsatz „Der Körper als Wahrnehmungsorgan...„ M. V. von Kibed, Seite 40 ff

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